Liebe Freunde der Großregion,

das Zusammenkommen der touristischen Welt auf der ITB im März in Berlin ist Impulsgeber und Spiegel von globalen Tourismusentwicklungen zugleich. Die E-Travel World, das Segment das sich der Digitalisierung im Tourismus widmet, war dieses Jahr weitaus größer und internationaler besetzt als je zuvor. Neu war ebenfalls das Virtual Reality Lab, in dem  Vorträge und Ausstellung zu Virtual und Augmented Reality Anwendungen im Tourismus gezeigt wurden. Und auch in den anderen Hallen zeigten die Aussteller moderne Ansätze und Umsetzungen der Digitalisierung in Form von Kommunikations- und Informationsanwendungen wie etwa digitale Concierges oder einer virtuellen Zeitreise beim luxemburgischen Projektpartner. Auch im großregionalen Projekt nähern wir uns dem Abschluss der Strategiephase und der Realisierung konkreter Services und Angebote.

Mehr zu unseren letzten Projektumsetzungen erfahren sie unter „Aktuelles aus dem Projekt“. In der Rubrik „bei den Partnern“ können Sie nachlesen, wie unser Projektpartner Rheinland-Pfalz mit seinem „digitalen Wissensschatz“ dafür sorgt, dass Gäste jederzeit die für sie relevanten Inhalte zur Destination erhalten. Und unser Interviewpartner Geoffrey Redelsperger von Compétences Tourisme Grand Est gibt Einsichten und Tipps für die Erweiterung digitaler Kompetenzen bei  touristischen Leistungspartnern.

Viel Freude beim Lesen,

Ihr Projektteam

Aktuelles aus dem Projekt

Ergebnisse der Umfrage zum digitalen Know-how

Die Inhouse Workshops in den Partnerregionen zum Ende des letzten Jahres waren ein großer Erfolg, an den wir jetzt anknüpfen wollen. 2019 wollen wir die touristischen Leistungspartner in den Regionen fit machen für den eigenen Digitalisierungsprozess. Zur Vorbereitung wurde eine digitale Umfrage in allen Projektregionen durchgeführt, um zu ermitteln, wo welche konkrete Bedarfe bestehen.

Insgesamt haben sich 39 Tourismusbüros, 54 Unterkünfte, 7 Gastronomiebetriebe und 20 touristische Ausflugsziele beteiligt. 48% der Befragten sahen in ihrem Betrieb noch nicht ausreichend Fachwissen vorhanden, um den Digitalisierungsprozess zu gestalten.

Bedarfe meldeten die Tourismus-Organisationen u.a. im Bereich der digitalen Gästeinformation und -Service an. Die Beherbergungsbetriebe hingegen sehen sich eher noch in der Orientierungsphase und stellen sich ganz global die Frage „Wie digital muss und sollte mein Betrieb sein?“ Ein weiteres Kernthema für die Hotellerie ist der digitale Vertrieb, besonders über die eigenen Kanäle.

Sowohl die deutschsprachigen als auch die französischsprachigen Partner gaben an, dass eine kostenlose Teilnahmen an Präsenzveranstaltung ein Anreiz wäre, an Weiterbildungsmaßnahmen teil zu nehmen. Das bevorzugte Fortbildungsformat war für die Mehrheit der Befragten der Workshop.

Die komplette Auswertung inkl. der Ergebnisse pro Region wird den Projektpartnern zur Verfügung gestellt. Das Projektbüro wird die Erkenntnisse nutzen, um bedarfsgerechte Weiterbildungsangebote für die Regionen zu konzipieren.

Die Entwicklung der gemeinsamen Content-Strategie

Im verschneiten Trier kamen die Projektpartner am 31. Januar zusammen, um die Leitplanken der gemeinsamen Content-Strategie festzulegen. Es wurde beschlossen, die künftigen Marketingaktivitäten auf diejenigen Zielgruppen zu fokussieren, die mit der demographischen und digitalen Entwicklung zunehmend an Bedeutung gewinnen werden. Das sind laut Ergebnissen der abgeschlossenen grenzüberschreitenden Marktforschungsstudie vor allem die so genannten „Explorer“. Deren Werte, Konsumverhalten und Online Gewohnheiten werden künftig den Ton angeben in den gemeinsamen Marketingaktivitäten. Um eben diese Werte und Gewohnheiten noch besser zu verstehen, haben die Projektpartner entschieden, die qualitative Forschung zu dieser strategischen Zielgruppe zu vertiefen. Mit einem „Content-Audit“ im April wird jeder Partner überprüfen können, wie gut sie mit ihren „hauseigenen Inhalten“ schon für die strategischen Zielgruppen aufgestellt sind. Dafür wird aktuell vom Sinus Institut ein Leitfaden für die Projektpartner entwickelt. Abgerundet wird der „Werkzeugkasten für die Partner“ mit einem Kommunikationshandbuch, das sie im eigenen Marketing dabei unterstützt, den passenden Kanal, eine ansprechende Ästhetik und den richtigen Ton für die jeweilige Zielgruppe zu wählen.

Ein Partner, der genau daran schon länger feilt ist die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH. Deren Content-Strategie stellt der Leiter der Abteilung Online Marketing und Projektansprechpartner Yves Loris in der Rubrik „Bei den Partnern“ vor.

Das Projektteam hat Verstärkung erhalten

Seit dem 01.02.2019 ist das Projektbüro in Saarbrücken erstmals mit drei Mitarbeiterinnen besetzt. Lisa Schanné übernimmt die Position der Projektleitung. Von ihrer letzten Stelle im Online Marketing der Saarpfalz Touristik bringt sie neben Praxis im digitalen Tourismusmarketing auch gute Kenntnisse zu Förderprojekten mit.

Bei der Fédération Touristique du Luxembourg Belge hat Fanny Baade im Januar die Aufgabe der Projektreferentin übernommen. Nach ihrem Masterabschluss in Journalismus und  zwei Jahren bei einem Radiosender freut sie sich jetzt auf die neuen Herausforderungen des Interreg Projektes und darauf, neue Kontakte im grenzübergreifenden Tourismusnetzwerk zu knüpfen.

Termine:

Letzte Umsetzungen

31.01.2019 Content Strategie Workshop

01.02.2019 Lisa Schanné übernimmt die Projektleitung

20.02.2019 Projektbegleitausschuss und Projektpartnersitzung in Saarbrücken

25.03.2019 Auftaktveranstaltung der saarländischen Gipfelpräsidentschaft der Großregion in Saarbrücken mit dem „Markt der Möglichkeiten“

01.04.2019 Umzug des Projektbüros in die neuen Räumlichkeiten in der Trierer Str. in Saarbrücken

Bitte vormerken

07.05.2019 Workshop mit Sinus zur Vorstellung der Kommunikationshandbücher für die Projektpartner

19.06.2019 Nächste allgemeine Projektpartnersitzung in Arlon

Bei den Partnern

Relevante Inhalte für unsere Zielgruppen, immer und überall!

So lautet das Ziel der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH und ihrer Partner angesichts der touristischen Herausforderung, die sich durch die Digitalisierung ergeben. Um dieses Ziel erreichen zu können, hat sich die RPT intensiv mit ihren Zielgruppen, Kanälen und Inhalten auseinandergesetzt. Als Ergebnis des Prozesses wurden fünf für Rheinland-Pfalz relevante Zielgruppen, so genannte Personas, herausgearbeitet und näher hinsichtlich ihrer Werte und Einstellungen, ihrer Mediennutzung, ihrer Reiseanlässe sowie ihres Buchungs- und Urlaubsverhaltens beschrieben.

Die RPT sorgt dafür, dass der Content von Rheinland-Pfalz einmalig, dezentral erfasst und danach in den unterschiedlichen Kanälen (digital und analog) ausgespielt wird bzw. werden kann. Die eigenen Kanäle wie Webseite, Tourenplaner oder die Rheinland Pfalz App spielen dabei auf absehbare Zeit noch ein wichtige Rolle, wobei Gäste Inspiration und Information zunehmend auch von anderen relevanten Kanälen wie Google, Booking oder auch digitalen Sprachassistenten beziehen.

Marketingkampagnen werden daher zunehmend crossmedial über unterschiedliche analoge und digitale Kanäle abgewickelt. Dabei arbeiten Inlands-, Auslands-, Onlinemarketing und Presse konzentriert zusammen.

Was und wann – Der Content

Der digitale touristische Wissensschatz, der hier in Wert gesetzt wird, wird seit 17 Jahren dezentral von 10 Regionen, 130 Stützpunkten und den Leistungsträgern über zwei gemeinsame Datenbanken erfasst und gepflegt. Derzeit kümmern sich RPT und Partner um die Kennzeichnung des Contents hinsichtlich seiner Zielgruppenrelevanz auf den unterschiedlichen touristischen Ebenen. Dies dient der automatischen Ausspielung von Inhalten in den einzelnen Kanälen. Im Zuge der Content Strategie wurden Kriterien und Hilfsmittel entwickelt, die den Datenhaltern diese Zuordnung ermöglichen. Ein Content Manual mit einem auf die Kernbotschaften ausgerichteten Sprachkorridor bietet weitere Hilfestellung für Content-Entwickler. Außerdem wird der digitale Wissensschatz um Geschichten erweitert, dezentral über eine Content Fabrik erfasst und künftig gemeinsam in Wert gesetzt.

Um den Wissensschatz für digitale sprachgesteuerte Suchen und Sprachassistenten (z.B. Chatbots, digitale Sprachassistenten) vorzubereiten, sollen die Daten strukturiert und annotiert werden. Grundlage dafür ist der weltweite schema.org Standard, der durch die von der Arbeitsgruppe DACH-KG und dem STI Innsbruck entwickelten Ergänzungen verfeinert werden soll. Gemeinsam mit der Deutschen Zentrale für Tourismus und den anderen Bundesländern soll ein touristischer Knowledge Graph für Deutschland entwickelt werden, auf dessen Grundlage Drittanbieter KI-basierte Open Data Anwendungen (KI = künstliche Intelligenz) entwickeln und den Wissensschatz damit an weiteren Touchpoints in Wert setzen können.

Die Content-Strategie in Rheinland-Pfalz steht für eine neue Denk- und Arbeitsmethode, die es möglich macht schneller auf geänderte Marktbedingungen reagieren zu können.

Expertenecke

Herr Redelsperger arbeitet für die „L’agence régionale du Tourisme Grand Est“, welche seit diesem Jahr das Programm „Compétence Tourisme“ übernommen hat. Compétences Tourisme ist ein Instrument für Maßnahmen zur beruflichen Weiterbildung von Tourismusfachleuten in der Region Grand Est. Die Besonderheit ist dessen branchenübergreifender Charakter, d.h. dass es sowohl Beschäftigten aus dem privaten als auch dem öffentlichen Bereich offensteht. Wichtigstes Ziel ist es, den Zugang zur Weiterbildung für einen möglichst großen Personenkreis zu ermöglichen, insbesondere dank der Übernahme der Unterrichtskosten (was erlaubt, die Gesamtkosten der Schulung für die jeweilige Einrichtung zu reduzieren), aber auch dank der an die Bedürfnisse von Tourismusfachleuten angepassten Formate und der speziell auf den Tourismusbereich ausgerichteten Schulungen. Seit 2009 haben mehr als 3000 im Tourismus Beschäftigte von den von Compétences Tourisme in der Region Grand Est angebotenen Maßnahmen profitiert.

  1. Welche Ziele verfolgen Sie mit den Fortbildungen im Bereich Digitalisierung? Gibt es einen festen Qualitätsstandard, den Sie mit diesen Maßnahmen erreichen wollen?

Unser Ziel im Bereich der digitalen Fortbildung ist es, möglichst viele Tourismusfachleute in der Region Grand Est für den digitalen Wandel zu schulen. Das Web soll nicht als Gefahr, sondern als großartige Möglichkeit gesehen werden, die eigene Sichtbarkeit und Attraktivität zu verbessern, was in diesem sehr umkämpften Markt absolut notwendig ist. Wir wollen die Tourismusfachleute nicht zu Experten der Digitalisierung oder der Web-Kommunikation machen, es geht uns aber darum, Lösungen anzubieten, damit jeder auf seinem Niveau und mit seinen Mitteln möglichst effizient im Web präsent sein kann.

  1. In Ihrem Schulungsprogramm setzen Sie auf eine Mischung aus Vorträgen, Workshops und digitalen Formen der Fortbildung. Was ist nach Ihrer Erfahrung das Format, das von den Zielgruppen am besten angenommen wird? Und welches ermöglicht die nachhaltigsten Ergebnisse?

Es gibt nicht unbedingt ein Format, das von unserem Zielpublikum besser angenommen wird als andere. Alles hängt von der behandelten Thematik und den im Vorfeld von den Teilnehmern geäußerten Erwartungen ab.

Die Schulung dürfte besonders interessant sein, wenn es darum geht, die Fachkompetenzen zu verbessern oder sich beruflich weiterzuentwickeln. Vorträge eignen sich vor allem, wenn das Ziel darin besteht, einen besseren Gesamtüberblick zu einem speziellen Thema zu erhalten, ohne dieses wirklich zu vertiefen. Begegnungen/Workshops wiederum werden vor allem von Personen favorisiert, die über den Austausch und die Erfahrungswerte anderer Fachleute lernen wollen.

Möchten Sie dagegen ein langfristiges und nachhaltiges Ergebnis, mit einer echten Verbesserung der Fachkompetenzen, ist ein Schulungsprogramm (Präsenzunterricht, Fernunterricht oder Blended-Learning) definitiv das geeignetste Format.

  1. In welchen Gliedern der touristischen Servicekette und welchen Bereichen besteht nach Ihrer Ansicht noch Weiterbildungsbedarf, damit die Branche mit der Digitalisierung Schritt halten kann?

Was die Digitalisierung betrifft, so kann heute niemand vorhersagen, welche Kommunikationsarten oder -instrumente in fünf Jahren genutzt werden. Daher müssen wir im Dienst aller Glieder der touristischen Servicekette stehen, von den großen Strukturen bis hin zu den kleinsten, um die Entwicklung zu beobachten, sie zu sensibilisieren und insbesondere dahingehend zu schulen, dass sie sich bestmöglich auf diese Veränderungen einstellen können. Meines Erachtens müssen wir unsere Bemühungen aber in besonderem Maße auf jene Strukturen richten, die wegen fehlender Zeit oder Mittel keinen Zugang zu Informationen oder Schulungen haben. Wir dürfen niemanden zurücklassen!