Fliegenfischen lernen

Am Fluss Ourthe, La Roche-en-Ardenne

Wie halte ich die Angelrute richtig? Welcher Köder ist heute der passende? Wohl dem Neuling, der einen kundigen Lehrer hat, so einen wie Dany Marchand. Ein behagliches Hotel beim Ort La Roche-en-Ardenne in der wallonischen Provinz Luxemburg bietet gemeinsam mit Veranstalter Riveo Angelstunden für Anfänger an, und Dany zählt hier zu den besten Guides. Einblicke in die Geheimnisse des Angelsports und warum Fliegenfischen im Fluss Ourthe so schön ist.

Zwei Männer stehen oberschenkeltief im Fluss, durch spezielle Bekleidung vor dem kalten Wasser geschützt. Jeder hält eine Angel in seinen Händen. Sie wahren einigen Abstand voneinander, gesprochen wird kaum. Die Sonne glitzert auf der stillen Oberfläche der Ourthe, wasserreichster Nebenfluss der Maas. Rund zwei Kilometer westlich liegt das schöne Städtchen La Roche-en-Ardenne mit seinen 4200 Einwohnern, Wildpark, Burg und guten Restaurants, aber von Trubel ist hier nichts zu spüren. Es ist still in dieser Ecke der wallonischen Provinz Luxemburg im Osten der belgischen Ardennen, eine beinah meditative Ruhe liegt über der Szene.

Direkt am Ufer der Ourthe erstreckt sich in Sichtweite der beiden Angler ein stattliches Anwesen, von einem großen Garten und hügeligem Nadelwald umgeben. Das familiengeführte Hotel La Claire Fontaine, von Adrien Son in dritter Generation geleitet, kommt schön daher mit viel Holz und Glas, den gemütlichen Zimmern, Wellnessbereich und dem Speisesaal samt tollem Blick in den Garten. Man kann hier hervorragend wohnen, allein das Frühstück mit leckerem Brot, einer großen Auswahl an Tees, frischem Quark und Joghurt, tollem Honig und Nüssen ist absolut lohnenswert. Und man kann hier einiges lernen, zum Beispiel die gehobene Kunst des Fliegenfischens.

Gemeinsam mit dem Veranstalter Riveo, Naturzentrum und Spezialist für Naturerlebnisse mit Sitz in der 20 Kilometer nordwestlich gelegenen Gemeinde Hotton, bietet das Hotel Angelstunden für Anfänger und Fortgeschrittene an. Dafür schickt Riveo eigens einen Angelguide hierher in die Nähe von La Roche-en-Ardenne, der alles notwendige mitbringt: die Ausrüstung, das Know-how und jede Menge Geduld, falls sich ein Aspirant mal ein wenig ungeschickt anstellt. Was bei Neuling Julien nicht der Fall ist, der sich nun zielstrebig in die Geheimnisse des Fliegenfischens einweihen lässt.

Ohne die Wathose geht nichts, sie schützt sicher vor Nässe und Kälte

Sein Guide heute heißt Dany Marchand, und das ist ein echter Rocker unter den Fischern. Wettergegerbtes Gesicht, kräftige Hände, dunkle Sonnenbrille, schlohweißes Haar, eine Weste mit endlos vielen Taschen und dazu ein gewaltiger Walrossbart, der von Zigarettenqualm gelb getönt ist und ihm bis zum Schlüsselbein reicht. Dany reicht Julien als erstes eine Wathose, das ist ein wasserdichter, bis über den Bauch reichender und durch Hosenträger gehaltener Teilkörperanzug, dessen Hosenbeine fest mit stabilen Gummistiefeln verbunden sind. An Land geht man mit dem weit geschnittenen Utensil etwa so elegant wie ein Pinguin, im Fluss sitzt die Hose wie angegossen, da das Wasser sie von außen an den Körper presst – für Angler das Nonplusultra.

Nun ist das Erlernen der Grundlagen dran. Die große Wiese gegenüber vom Hotel bietet genug Platz für ein paar wichtige Trockenübungen. Zunächst lernt Julien, wie die Angel zusammengebaut und die Angelschnur fachgerecht angebracht wird. Alsdann werden die korrekte Haltung und der richtige Schwung beim Auswerfen einstudiert, ein bisschen Restschnur soll dabei in der einen Hand mitlaufen – Dany zeigt immer wieder geduldig, wie’s geht. Julien macht schnell Fortschritte, bald werden seine Bewegungen flüssiger, der Guide nickt zufrieden. Schließlich nestelt Dany in einer der herunterklappbaren Brusttaschen seiner gewaltigen Weste, dort hat er die Köder verstaut. Und um die herum rankt sich eine richtige Wissenschaft.

Es gibt nämlich die unterschiedlichsten Varianten dieser Spielart des Angelsports: Das Trocken- und das Nassfliegenfischen, das Nymphenfischen und das Streamerfischen bedingen alle verschiedene Köder und eine unterschiedliche Technik mit der Route. Die Köder, auch Fliegen genannt, sollen so die natürlichen Bewegungen von Insekten simulieren. Sie werden zum Beispiel aus Vogelfedern, Kunststoff oder anderen Materialien gefertigt und mit einem Haken versehen, manch Angler macht das Fliegenbinden zum Hobby oder gar zum Beruf. Dany und Julien wollen heute „trockenfischen“, der Köder sieht sehr federig aus und wird nach jedem Angelvorgang mit einer Tinktur bestrichen, die ihn wasserabweisend macht. Damit werden Fische gefangen, die zum Jagen aufsteigen, also Insekten von der Wasseroberfläche fressen.

Jetzt heißt es einfach nur Geduld haben und warten

Die Fliegen sind installiert, nach einer Stunde Üben steigen unsere beiden Angelsportler nun vorsichtig in den Fluss. Das ist leichter gesagt als getan, auf dem Grund der Ourthe liegen hier unterschiedlich große und sehr glitschige Steine. Dany hat einen ausfahrbaren Stock dabei, eine Art Teleskopstab, der beim Waten durchs Wasser ein wenig Halt gibt. Beide suchen sich eine Stelle, an der die Strömung nicht zu stark ist, Julien nahe der Mitte des Flusses, Dany dichter an der anderen Uferseite. Dann beginnen beide, ihre Angel auszuwerfen.

Die neongelben Schnüre fliegen durch die Luft, wieder und immer wieder aufs Neue. Da die Fliegen als Köder sehr leicht sind (im Gegensatz etwa zu manchem Blinker), muss die Schnur selbst als Wurfgewicht dienen. Dann kehrt Ruhe ein, beinah stoisch stehen Dany und Julien in ihren Wathosen in der Ourthe, die Zeit scheint langsamer zu vergehen. Die Luft ist rein und frisch, Vögel singen in den Bäumen am Ufer. Barbe, Döbel, Forelle und Äsche, sie alle sind hier zuhause und damit potentielle Jagdbeute. Jetzt heißt es einfach Geduld haben und warten.

Für Dany dauert die Wartezeit nicht allzu lange, immer wieder zuckt seine Angel, zieht er einen Fisch aus dem Wasser. Der Fang ist allerdings durchweg recht klein, Länge maximal  um die zehn Zentimeter. Das macht aber nicht das Geringste aus, die Beute ist sowieso nicht für die Pfanne gedacht. Aus seiner Weste zieht Dany vielmehr eine Schere, die an einem elastischen Band hängt und nun dazu dient, den gefangenen Fisch vorsichtig wieder vom Haken zu lösen. Dann wird er mit einem Platsch zurück in die Freiheit entlassen. Von Profis wie Dany mit Vorsicht angewendet, nimmt die Beute bei diesem Catch & Release-Verfahren in der Regel null Schaden.

Juliens Angel bleibt den ganzen Nachmittag über leer, und er wirkt gar nicht mal so unglücklich darüber. Zumal ein üppiges Festessen trotzdem gesichert ist. Während die Angler im Fluss stehen, hat die Hotelcrew schon mal große Forellen aus der Kühlung geholt und über geräuchert. Im grünen Garten mit seinen Hochbeeten und Schatten spendenden Bäumen ist der Tisch für die Zwei am Ufer der Ourthe gedeckt. Zum Fisch gibt es für unsere Sportler leichten Tomatensalat, eine Creme aus Karotten und Kürbis und natürlich frisches Baguette mit leicht salziger Butter, kühler Weißwein schimmert in den Gläsern. Und Julien und Dany prosten sich zu und wissen, dass das Fliegenfischen hier in den Ardennen ganz einfach großartig ist.

clairefontaine.be

3:08
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